Integrierte Versorgung in der Praxis

Bei der Familie Besser wohnen drei Generationen unter einem Dach: die Grosseltern Max und Elisabeth (73), die Eltern Monika (51) und Rolf (49) sowie die Kinder Lara (19) und Tim (16). Alle sechs legen Wert auf eine reibungslose Gesundheits- und Krankheitsversorgung. Sie profitieren in unterschiedlicher Weise von den Vorzügen der Integrierten Versorgung:

Max Besser hat nach einem Hirnschlag eine leichte Halbseitenlähmung. Zudem ist er Diabetiker. Trotz einer chronischen Herzrhythmusstörung war er regelmässig sportlich aktiv. Kurz vor den Spitalaustritt sitzen Experten aus den betroffenen Fachbereichen zusammen und besprechen die künftige Betreuung: Ärzte, Pflegende, Spitex, Physiotherapie. Auch der Hausarzt und Schwiegertochter Monika sind dabei. Damit lassen sich die Aufgaben und Verantwortlichkeiten rasch klären.

Elisabeth Besser hat seit langen Schmerzen im Knie, sonst ist sie fit. Ihr Hausarzt vermutet eine Arthrose; in diesem Bereich sind aber viele Behandlungsansätze umstritten. Und eine Knie-Prothese lehnt Elisabeth ab. Der Hausarzt bespricht den Fall im Qualitätszirkel seines Ärztenetzes. Der Austausch mit einem Dutzend Kollegen und Kolleginnen liefert ihm wichtige Hinweise, wie er weitermachen soll.

Monika Besser ertastet in ihrer Brust einen Knoten. Sie ist beunruhigt, weil ihre Grossmutter an Brustkrebs verstarb. Der Frauenarzt hat ihr – gemäss Behandlungsempfehlung in seinem Ärztenetz – eine Mammografie und Sonografie verordnet. Aufgrund der Bilder wurde Gewebe entnommen (Biopsie) – leider mit positivem Befund. Weil das Netz eng mit dem Brustzentrum am nahe gelegenen Spital zusammenarbeitet, wird Monika rasch von einem eingespielten Team betreut.

Rolf Besser ist seit langem übergewichtig; deswegen hat  er stark erhöhten Blutzucker (Diabetes Typ II). Er versuchte schon mehrmals, das Gewicht zu reduzieren – ohne dauerhaften Erfolg. Sein Hausarzt empfiehlt ihm nun ein umfassendes, strukturiertes Diabetes-Programm. Dafür steht ihm die Praxisassistentin zur Verfügung, die eine spezielle Weiterbildung absolviert hat; sie berät ihn wahlweise in der Praxis oder per Telefon. Und übers Internet kann er sich Bewegungs- und Ernährungspläne zusammenstellen.

Lara Besser plagt sich regelmässig mit Blasenentzündungen, will aber nicht jedes Mal zum Arzt. Über ihre Krankenkasse hat sie Zugang zu einem medizinischen Callcenter. Sie ruft an, schildert ihre Symptome, beantwortet einige Fragen und wird in ihrer Vermutung bestätigt: wieder eine Blasenentzündung. Das Callcenter schickt ein Rezept für ein Antibiotikum in die nächstgelegene Apotheke. Eine halbe Stunde später holt Lara Besser das Medikament dort ab.

Tim Besser kifft häufig, zeigt starke Stimmungsschwankungen, seine Schulleistungen werden immer schlechter. Nach langen Gesprächen mit den Eltern, seiner Schwester und Lehrern willigt er in eine psychiatrische Begleitung ein. Der Hausarzt der Familie, der ihn seit Kindsbeinen kennt, der Psychiater und weitere Fachpersonen stimmen sich regelmässig ab. Zehn Monate später hat sich Tim stabilisiert. Die Lebensfreude ist zurück, nach einem Berufswahljahr startet er motiviert in die Lehre als Informatiker.