Integrierte Versorgung: Behauptungen und Wirklichkeit
| Behauptung | Wirklichkeit | |
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Managed Care ist Billigmedizin – da werden einem im schlechtesten Fall Abklärungen und Behandlungen vorenthalten. |
Integrierte Versorgung ist in aller Regel günstiger als die Standardversorgung. Aber nicht, weil Ihnen als Patient wirklich nötige Abklärungen und Behandlungen vorenthalten werden. Sondern weil die einzelnen Behandlungsschritte optimal aufeinander abgestimmt sind. Deshalb gibt es weniger Doppelspurigkeiten, zum Beispiel bei Laboruntersuchungen oder beim Röntgen. Durch die bessere Koordination treten auch weniger Komplikationen auf, zum Beispiel schädliche Wechselwirkungen bei der Einnahme von mehreren Medikamenten. |
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Managed-Care-Patienten sind Zweitklass-Patienten, weil der Arzt sparen muss. |
Ärzte und Ärztinnen dürfen bei der Behandlung keine Unterschiede machen – das verbieten die ethischen Regeln ihres Berufes. Zudem wissen sie häufig nicht, wie der Patient versichert ist, also können sie gar keinen Unterschied machen. |
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Ärzte haben Vorgaben, wie viel ein Patient kosten darf. Ist dieser Betrag aufgebraucht, gibt es keine Behandlung mehr. |
Das ist schlicht und einfach falsch. Richtig ist: Das Ärztenetz (nicht der einzelne Arzt!) vereinbart mit den Krankenkassen Behandlungspauschalen für alle Patienten im Netz (und nicht den einzelnen!). Darin sind alle erwarteten Kosten eines Jahres enthalten (Arzt, Spital, Spitex, Medikamente, Apotheke etc.). Der Arzt rechnet jede seiner Leistungen ganz normal ab; genauso machen es alle anderen Stellen, die den Patienten behandeln. Am Ende des Jahres werden alle Leistungen, welche die Ärzte des Netzes selber erbracht oder veranlasst haben, mit den Pauschalen verglichen, die das Netz mit den Krankenkassen vereinbart hat. Sind sie tiefer als die Pauschalen (was die Regel ist), erhält das Netz – und nicht der einzelne Arzt! – einen Anteil davon. Das Netz finanziert damit den eigenen Betrieb, zum Beispiel die Massnahmen zur Qualitätsförderung. Sind die Leistungskosten höher als die Pauschalen (was die Ausnahme ist), muss das Netz – und nicht der einzelne Arzt! – einen Teil davon selber tragen. Das bedeutet: Das Ärztenetz übernimmt einen Teil der Verantwortung für die Behandlungskosten, nie aber der einzelne Arzt. |
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Es gibt keine Beweise, dass Managed Care bessere Qualität bringt und Kosten spart. |
Diese Behauptung stimmt schon seit einigen Jahren nicht mehr, denn eine steigende Zahl wissenschaftlicher Studien belegen eine Qualitätsförderung durch Integrierte Versorgung. Demnach führt Integrierte Versorgung vor allem bei chronisch kranken Patienten zu besseren Behandlungsergebnissen, zum Beispiel höherer Lebensqualität. Und Hausarztnetze arbeiten kosteneffizienter als Ärzte, die nicht organisiert sind. |
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Managed Care beschränkt die freie Arztwahl – das ist eine Entmündigung der Patienten. |
Die Integrierte Versorgung hat im Grundsatz nichts mit der freien Arztwahl zu tun. Sie bezweckt in allererster Linie, die einzelnen Behandlungsschritte optimal aufeinander abzustimmen und dadurch eine bessere Medizin zu gewährleisten. Deshalb wählt inzwischen die Hälfte aller Leute in der Schweiz ein Versicherungsmodell, das diese Abstimmung fördert. Dafür schränken sie freiwillig die Arztwahl ein, das heisst, sie sind bereit, bei gesundheitlichen Beschwerden als erstes immer den gleichen Arzt oder die gleiche Praxis zu kontaktieren; dafür werden sie optimal begleitet und mit einem Prämienrabatt belohnt. Die Einschränkung erfolgt also ganz bewusst ein – eine «Entmündigung» ist das mitnichten. |
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Wahlfreiheit führt zu Wettbewerb und damit zu einer besseren Behandlung. |
Volle Wahlfreiheit ist ein Phantom: Wenn man tatsächlich wählen soll, ist man rasch überfordert. Welcher Herzspezialist ist für meine Beschwerden am besten geeignet? Welches Spital hat am meisten Erfahrungen und die besten Ergebnisse bei der geplanten Operation? Soll ich mich überhaupt operieren lassen oder eher zuwarten? Die Wahlfreiheit führt also rasch zur Orientierungslosigkeit und somit kaum zu einer besseren Behandlung. Ganz anders die Integrierte Versorgung: Weil sich die Fachpersonen untereinander verständigen, können die genannten Fragen schneller und gezielter beantwortet werden. |
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Wenn ich in ein Managed-Care-Modell wechsle, kann ich nicht mehr zu meinem bisherigen Spezialisten. |
Das stimmt nicht. Im Grundsatz ist es nach wie vor möglich, zum bisherigen Spezialisten zu gehen, nur muss es mit dem gewählten Hausarzt oder der gewählten Praxis abgesprochen sein. Denkbar ist auch, dass der Hausarzt einen anderen Spezialisten empfiehlt. Denn viele Ärztenetze führen Listen von Spezialisten, Spitälern, Psychotherapeutinnen und weiteren Fachpersonen, an die sie Patienten für die Weiterbehandlung überweisen. Diese Listen werden gemeinsam erstellt aufgrund von Qualitätskriterien und den persönlichen Erfahrungen mit diesen Personen. |
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Wenn ich in ein Managed-Care-Modell wechsle, wird mir alles vorgeschrieben: die Spezialisten, die Medikamente, das Spital. |
Richtig ist, dass Sie sich mit der Wahl eines Alternativen Versicherungsmodells für gewisse Einschränkungen entscheiden, zum Beispiel:
Das heisst: Die Einschränkungen sind ein bewusster Entscheid und werden mit einem Prämienrabatt belohnt – gleich wie man weniger bezahlt, wenn man zum Beispiel weniger TV-Sender empfangen möchte. |
