ICD

Die International Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen, 10. Revision. Die ICD ist eine Kern-Klassifikation der Familie der relevanten internationalen Klassifikationen der WHO. Die aktuelle Ausgabe der ICD wird als ICD-10 bezeichnet. Ziel der ICD ist die weltweite Erforschung von Morbidität und Mortalität mit einer international einheitlichen Systematik zu ermöglichen. Die ICD-10 enthält mehr als 16'000 Erkrankungen, in 21 Kapitel und diverse Spezialgruppen unterteilt und liegt in 3 Bänden vor. Die deutsche Übersetzung der ICD, die auch in der Schwiez Anwendung findet, wird vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information  (DIMDI) gepflegt und herausgegeben. Eine französische Version liegt ebenfalls vor.

Die ICD Klassifikation ist zusammen mit einer Klassifikation von Prozeduren, in der Schweiz z.B. die ICD-9cm (CHOP), Grundlage für die Gruppierung zu DRGs.

Aus klinischer Perspektive ist folgendes zu beachten (Hauptkritikpunkte der Ärzte):

  • Die Gliederung entspricht nicht medizinischen oder praktischen Gesichtspunkten, sondern folgt lediglich statistischen Erfordernissen. So werden etwa unter K alle Krankheiten des Verdauungssystems zusammengefasst (von den Zähnen bis zum Darmausgang), die in der ärztlichen Praxis ganz verschiedene Fachgruppen betreffen. Andererseits fehlen dort wichtige Krankheiten wie Karzinome, die unter C eingeordnet sind.
  • Die offizielle Formulierung der Diagnosetexte entspricht nicht dem ärztlichen Sprachgebrauch, sondern stellt mehr ein „Behördendeutsch“ dar.
  • Viele ICD-Codes stehen nicht für eine einzelne, sondern für eine Reihe von Diagnosen, die der Arzt in seiner praktischen Arbeit noch feiner untergliedern muss.
  • Nicht jede Symptomatik entspricht einem Krankheitsbild nach ICD; das erschwert dem Arzt klare Angaben, wenn zunächst kein Krankheitsbild hundertprozentig passt.
  • Die Verwendung mancher Diagnosen, speziell unter Z, könnte eine unzulässige Offenlegung der persönlichen Situation und Umgebung des Patienten sein, z.B. Angaben über Einflüsse aus dem familiären oder beruflichen Umfeld
  • Die nationalen Anwendungen der ICD sind unvollständig und die Umstellung auf eine neue Version erfolgt nicht weltweit koordiniert. Die internationale Vergleichbarkeit von Krankheitsursachen ist damit eingeschränkt.
  • Wie allen Klassifikationsverfahren liegt der ICD ein Weltbild zugrunde, das sich im Einzelnen kritisieren lässt. So war beispielsweise bis zur ICD-9 Homosexualität (Klasse 302.0) als eigene Krankheit vertreten.

Trotz den erwähnten Kritikpunkten ist die ICD Klassifikation als ein einheitlicher Standard unerlässlich, denn sie ermöglicht die weltweite epidemiologische Forschung und Konzeption von Gesundheitsprogrammen, sowie die Erstellung von ländervergleichenden Statistiken und  die Formulierung von "health policies".

Weiterführende Literatur

Autor Buchtitel Verlag
H. Dilling (Hrsg.) WHO: Lexikon zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen. Verlag Hans Huber, Bern. 2002. 189 S., ISBN 3-456-82679-6
Weltgesundheitsorganisation (WHO) TASCHENFÜHRER ZUR KLASSIFIKATION PSYCHISCHER STÖRUNGEN. 2. Auflage, Verlag Hans Huber 2001. 439 S. ISBN 3-456-83660-0