Diskursethik

Als Diskursethik bezeichnet man alle ethischen Theorien, deren zentrales ethisches Kriterium der Diskurs ist. Die Diskursethik versucht das „logische Trilemma“ zu überwinden, nach dem man bei jedem Versuch einer formallogischen Letztbegründung entweder in einen unendlichen Regress oder in einen logischen Zirkel gerät oder den Begründungsprozess abbrechen muss, da man an einer Stelle bestimmte Prämissen dogmatisch setzen muss. Die Überwindung dieses Problems versucht die Diskursethik zu leisten, indem sie zunächst eine philosophische Letztbegründung nicht mit formallogischer Deduktion, sondern mit der Reflexion auf die subjektiv-intersubjektiven Bedingungen der Möglichkeit intersubjektiv gültiger Argumentation (Apel 1988) gleichsetzt und damit als Basis ihrer Ethik den Diskurs als einen Austausch von Argumenten oder guten Gründen mit dem Ziel der Verständigung ansieht. Nicht ohne pragmatischen Selbstwiderspruch bestreitbar ist damit die normative Voraussetzung eines Diskurses, nämlich die wechselseitige Anerkennung der Menschen als mündige Personen, zwischen denen eine vernünftige Verständigung grundsätzlich möglich ist. Das Moralprinzip wird damit reflexiv aufgedeckt als etwas, was notwendig und unhintergehbar von jedem anerkannt ist.

Die zentralen Prinzipien der Diskursethik, die sich so begründen lassen sollen, lauten:

  • Jede gültige Norm muß der Bedingung genügen, daß die Folgen und Nebenfolgen, die sich aus der allgemeinen Befolgung der strittigen Norm für die Befriedigung der Interessen eines jeden Einzelnen voraussichtlich ergeben, von allen zwanglos akzeptiert werden können.“ (Habermas 1983)
  • Der „diskursethische Grundsatz“ lautet etwas allgemeiner, „daß nur die Normen Geltung beanspruchen dürfen, die die Zustimmung aller Betroffenen als Teilnehmer eines praktischen Diskurses finden (oder finden könnten)“ (Habermas 1983)

Weiterführende Literatur

Autor Buchtitel Verlag
Gerhard Schönrich. Bei Gelegenheit Diskurs. Von den Grenzen der Diskursethik und dem Preis der Letztbegründung. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1994
Jürgen Habermas. Erläuterungen zur Diskursethik. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1991
Karl-Otto Apel. Diskurs und Verantwortung. Das Problem des Übergangs zur postkonventionellen Moral. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1988
Jürgen Habermas. Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1983