Solidarität

Als Solidarität wird das Zusammengehörigkeitsgefühl von Individuen und Gruppen (im weiteren Sinne auch von Staaten in Bündnissen) bezeichnet, das sich in gegenseitiger Unterstützung und Hilfe äußert.

Versicherungen (Krankheit, Unfall, Altersvorsorge und Arbeitslosigkeit) beruhen auf einem institutionalisierten Solidaritätsprinzip, indem jedes Mitglied der Gemeinschaft Beiträge in die gemeinsame, von einer Versicherungsgesellschaft verwaltete Kasse bezahlt. Daraus werden denen, die einen Schaden erleiden, finanzielle Mittel zur Deckung zur Verfügung gestellt.

Grundgedanke bei der KVG-Ausgestaltung war die Stärkung der Solidarität zwischen gesund und krank, zwischen jung und alt sowie zwischen reich und arm. Zur Erreichung dieser Ziele wurden verschiedene Einzelmassnahmen ins Gesetz aufgenommen. Die Einführung eines Versicherungsobligatoriums mit voller Freizügigkeit und einer Einheitsprämie mit Risikoausgleich zielten darauf ab, die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken zu verbessern, bei gleichzeitiger Solidarität zwischen jung und alt sowie Mann und Frau. Die individuellen Prämienverbilligungen und die hälftige Spitalfinanzierung aus Steuermitteln sollten die Solidarität zwischen den Einkommensschichten sicherstellen.

Mit diesen Massnahmen zur Stärkung der Solidarität ist aber auch ungewollte Solidarität verbunden. Einheitsprämie und umfassender Leistungskatalog können zur Folge haben, dass der Einzelne zu wenig Prävention betreibt (Moral Hazard). Der gewollte Ausgleich zwischen Personen, die unterschiedlichen Gesundheitsrisiken unterworfen sind, verkommt so zum ungewollten Ausgleich zu Gunsten von Personen mit gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen, die gesellschaftlich nicht erwünscht sind. Zum anderen kann die Kombination von Einheitsprämie und ungenügendem Risikoausgleich (nur Alter, Geschlecht und Wohnort werden berücksichtigt) zu einer Entsolidarisierung durch Risikoselektion führen.

In der gesellschaftlichen Debatte in der Schweiz wird das Solidaritätsprinzip im Zusammenhang mit den steigenden Kosten im Gesundheitswesen diskutiert (Risikoausgleich, einkommensabhängige Prämien, Prämienverbilligung, Zweiklassenmedizin, Pflegeversicherung), während die Eigenverantwortung des Individuums eine immer größere Beachtung findet.

 

Links

http://www.sti.ch/fileadmin/user_upload/Pdfs/stiber_1.pdf
http://www.healthcollege.ch/pdf/Plaut_Economics_Solidaritaet_2005.pdf