Rationierung
Der Begriff der Rationierung im Gesundheitswesen wird als eine ökonomisch, juristisch oder ethisch legitimierte Einschränkung medizinischer, pflegerischer und sozialer Leistungen, welche für die betroffene Person einen unbestreitbaren Nutzen hätten, definiert. Sie ist zu unterscheiden von der Rationalisierung, also dem Verzicht auf Leistungen, die als unnütz oder sinnlos beurteilt werden. Im Fall von offener Rationierung werden die Kriterien der Leistungsverweigerung öffentlich diskutiert und sind bekannt. Bei verdeckter Rationierung werden sie zufällig und ohne eine für die Öffentlichkeit nachvollziehbare Diskussion, häufig ad hoc, angewendet.
Im Jahre 1994 führte der US-Bundesstaat Oregon weltweit erstmals ein Rationierungsmodell im Gesundheitswesen ein. Dieses basiert auf einer Liste von rund 700 Diagnose-Behandlungs-Kombinationen, die im Prinzip nach Kosten-Nutzen-Verhältnis eingeordnet sein sollten. Die 120 Diagnose-Behandlungs-Paare, die die tiefste Kosten-Nutzen-Ratio aufzeigen, bilden den Schluss der Liste. Die entsprechenden Leistungen sind von der staatlichen Grundversicherung für Bedürftige (Medicaid) nicht gedeckt.
Von Gesundheitsökonomen wird Rationierung als kostendämpfende Massnahme kontrovers betrachtet.
Weiterführende Literatur
| Autor | Buchtitel | Verlag |
|---|---|---|
| Jürg Sommer. | Rationierung im Gesundheitswesen. | Hrsg. Muddling Through Elegantly: EMH Schweizerischer Ärzteverlag, 2001 |
| P. Zweifel, H. Telser. | Rationierung: Der Königsweg im Gesundheitswesen?. | Praxis 2000; 89: 1181–1184 |
| Unabhängige, interdisziplinäre Arbeitsgruppe. | Gerechte Ressourcenverteilung im Gesundheitswesen, Manifest für eine faire Mittelverteilung im Gesundheitswesen. | Zürich: Dialog Ethik, 1999 |
