Gesundheitskarte

Kartenlösungen sind eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung elektronischer Informationen im Gesundheitswesen. Karten sind lediglich Funktionsträger, entscheidend ist deren Funktion und Einsatzbereich. Künftig werden auch andere Funktionsträger eingesetzt (z.B. USB-Sticks, RFID-Tags, etc.). Karteneigenschaften lassen sich auf zwei technische Charakteristiken reduzieren: a) Speicherkarten (z.B. Magnetstreifen) für einfache administrative Zwecke (z.B. Personalangaben, Versicherungsstatus) oder zur freiwilligen Speicherung minimaler Daten (z.B. Notfalldaten) und b) "Chipkarten" ("Prozessorkarte", "Smart Card"), welche nebst Datenspeicherung auch rechenintensive Verschlüsselungs- sowie Entschlüsselungsfunktionen erfüllen. Im Zusammenspiel mit digitalen Zertifikaten ("Digitale Signatur) werden sie als "Schlüssel" einer Sicherheitsinfrastruktur  benötigt (sog. "Controller-Karte").

Seit dem 1. Januar 2005 ist Artikel 42a des Krankenversicherungsgesetzes KVG in Kraft: Dieser Artikel sieht eine Karte für jede gemäss KVG versicherte Person vor. Die künftige Versichertenkarte soll eine "Benutzerschnittstelle" für die Leistungs-Rechnungsstellung beinhalten. Der Bund regelt die Einführung und anzuwendende Standards unter Anhörung aller interessierten Kreise. Die Speicherung zusätzlicher persönlicher Daten auf freiwilliger Basis ist möglich. 

Die Umsetzung von Art. 42a soll stufenweise erfolgen:
1. Kurzfristig: Bei der per  1.1.2006 einzuführenden "neuen" Versichertenkarte handelt es sich um eine sozialversicherungsrechtliche Anpassung zur Erleichterung der Mobilität innerhalb Europas (bilaterale Verträge CH-EU). Dieser Versicherungsnachweis ("European Health Insurance Card") erfüllt lediglich die Funktionen eines Sichtausweises, um folgende europäische Formulare zu ersetzen: E111 und E111B (Touristen), E110 (internationale Lastwagenfahrer), E128 (Studenten und Arbeitnehmer ausserhalb des eigenen Staates), E119 (Arbeitslose und Arbeitssuchende in anderen Mitgliedsstaaten).

2. Mittelfristig: Per 1.1.2008 soll die "eigentliche" Versichertenkarte eingeführt werden, zusammen mit der neuen Schweizer Sozialversicherungsnummer. Diese Versichertenkarte wird eine Chipkarte sein, weil sie verschiedene Zusatzfunktionalitäten, insbesondere Sicherheitsfunktionen erfüllt. Diese "elektronische" Karte kann zusätzliche Funktionen erfüllen, nebst administrativen auch eingeschränkte medizinische (z.B. ePrescribing).

3. Langfristig: Aus der erweiterten Versichertenkarte soll die "Gesundheitskarte" mit hoch entwickelten Sicherheitsfunktionen entstehen (sog. "Access-Card). Der sichere Zugriff auf die eigene elektronische Krankengeschichte, die Erteilung von Berechtigungen zur Verwaltung und für den Austausch persönlicher Gesundheitsinformationen ist die Voraussetzung für die informationelle Selbstbestimmung, das medizinische Informations- und Prozessmanagement.

Weiterführende Literatur

Autor Buchtitel Verlag
Cassis I. Della Santa M. Gesundheitskarte: eine Drehscheibe für Gesundheitsnetze. SAEZ: 2003, 84: 1898
Denz M. von Below G. Die Gesundheitskarte als Schlüssel zu eHealthcare. SAEZ: 2002,83: Nr 39, p 2026-28sdsfsd
Beng M. Eine Gesundheitskarte für die Schweiz. SAEZ: 2005, Nr. 86: 2139-2144