ICF
Die „International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)“ ist die Nachfolgerin der „International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps (ICIDH)“ von 1980. Sie wurde nach einem mehrjährigen Entwicklungsprozess von der 54. Vollversammlung der WHO, an der auch Vertreter der deutschen und schweizerischen Bundesregierung teilgenommen haben, im Mai 2001 verabschiedet. Das bio-psycho-soziale Modell, das in Ansätzen der ICIDH unterlag, wurde mit der ICF erheblich erweitert und damit der Lebenswirklichkeit Betroffener besser angepasst. Insbesondere wird nun der gesamte Lebenshintergrund der Betroffenen berücksichtigt.
Die ICF dient als länder- und fachübergreifende einheitliche Sprache zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung und der relevanten Umgebungsfaktoren einer Person. Die internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der WHO beschreibt gemeinsam mit der ICD den Gesundheitszustand. Die deutschsprachige Fassung der ICF lautet „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“. Sie wurde von Fachleuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitet.
Der Begriff der Funktionsfähigkeit eines Menschen umfasst alle Aspekte der funktionalen Gesundheit. Eine Person ist funktional gesund, wenn vor dem Hintergrund ihrer Kontextfaktoren
- ihre körperlichen Funktionen (einschließlich des mentalen Bereichs) und Körperstrukturen denen eines gesunden Menschen entsprechen (Konzepte der Körperfunktionen und -strukturen),
- sie all das tut oder tun kann, was von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem (ICD) erwartet wird (Konzept der Aktivitäten),
- sie ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, in der Weise und dem Umfang entfalten kann, wie es von einem Menschen ohne gesundheitsbedingte Beeinträchtigung der Körperfunktionen oder –strukturen oder der Aktivitäten erwartet wird (Konzept der Partizipation [Teilhabe] an Lebensbereichen).
Zukünftige Entwicklungen der ICF
Die Anwendung der ICF wird vor allem von ihrem praktischen Nutzen abhängen: wie weit sie zur Messung der Leistung von Gesundheitsdiensten durch Indikatoren auf der Basis der Konsumentenergebnisse dienen kann und in welchem Maß sie über verschiedene Kulturen hinweg anwendbar ist und internationale Vergleiche ermöglicht, die Hinweise zur Identifikation von Bedürfnissen und Ressourcen für Planung und Forschung geben können. Die ICF ist kein direktes politisches Instrument. Ihre Anwendung kann jedoch auch zur Formulierung von Gesetzen und Regelungen beitragen, indem mit ihr Informationen verfügbar gemacht werden, welche eine kohärente Gesundheitspolitik ermöglichen, die Chancengleichheit für alle Menschen fördern und den Kampf gegen Diskriminierung aufgrund einer Behinderung unterstützen kann.
Weiterführende Literatur
| Autor | Buchtitel | Verlag |
|---|---|---|
| Application of the ICF to disability evaluation | Newsletter on the WHO-FIC (Hrsg. National Institute for Public Health and the Environment, Niederlande) | Vol. 1. nr. 2, 2003. S. 5 f. |
| Ueberle, M.; Frommelt, P. Grötzbach, H. | Verwendung der ICF in der interdisziplinären Neurorehabilitation. 12. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium Rehabilitation im Gesundheitssystem: 10. bis 12. | 2003 in Bad Kreuznach, Tagungsband S. 66 f. |
