Compliance

Der Begriff «Compliance» wird häufig mit der Befolgung von Therapieverordnungen und ärztlichen Vorschriften gleichgesetzt: Der Experte (der Arzt) ordnet an, und der Patient «gehorcht». Diese Sichtweise unterstellt, dass die Krankheitsdefinitionen des Arztes eindeutig und seine Verordnungen unstrittig sind. Ein solches Verständnis greift zu kurz, denn zur erfolgreichen Behandlung beispielsweise einer chronischen Krankheit ist es erforderlich, dass sich der Patient am Krankheitsmanagement aktiv, möglichst selbstständig und eigenverantwortlich beteiligt.

Unter Compliance (Synonyme sind Adherence, Concordance, Therapietreue) wird das Ausmass verstanden, in dem das Verhalten einer Person hinsichtlich der Einnahme eines Medikamentes, des Befolgens einer Diät oder der Veränderung eines Lebensstils mit dem ärztlichen oder gesundheitlichen Rat korrespondiert. Damit ist Compliance kein stabiles Persönlichkeitsmerkmal des Patienten, sondern ein komplexes, dynamisches und situationsabhängiges Phänomen, das sich während des Behandlungsverlaufs unterschiedlich äussern kann. Die meisten Menschen tendieren zu einer mittleren Compliance, die sich zwischen 30 und 70 Prozent eingehaltener ärztlicher Vorgaben bewegt.

Weiterführende Literatur

Autor Buchtitel Verlag
Petermann, F. Non-Compliance: Merkmale, Kosten und Konsequenzen. Managed Care 2004: 4: 30-32)
Osterberg L., Blaschke T. Drug Therapy:Adherence to Medication. New Engl J Med 2005; 353: 487-496
Petermann, F. & Mühlig, S. (1998). Grundlagen und Möglichkeiten der Compliance-Verbesserung. In: F. Petermann (Hrsg.). Compliance und Selbstmanagement (S. 73–102). Göttingen: Hogrefe.