Guidelines

Guidelines sind Behandlungs- und Betreuungsleitlinien für definierte Krankheiten auf der Basis wissenschaftlicher Evidenz (EBM). Guidelines sollen Ärzte, Pflegende und andere Gesundheitsberufe in ihrem Berufsalltag unterstützen, Evidenz-basierte und angemessene klinische Entscheide in der Behandlung und Betreuung von Patienten mit entsprechenden Krankheiten zu fällen und damit die traditionelle hohe Variabilität der Behandlungsmassnahmen zu verringern. Für eine Vielzahl von Krankheiten wurden in den vergangenen Jahren Guidelines entwickelt und publiziert. Eine zentrale Herausforderung ist, dass Guidelines zwar nützliche Informationen für den klinischen Alltag zur Verfügung stellen, häufig jedoch wenig oder keine Beachtung, bzw. Anwendung durch die Fachpersonen finden. Dass Guidelines in der täglichen Praxis wirksam zur Anwendung kommen, sind daher begleitende Implementierungsmassnahmen erforderlich, denn Publizieren in Fachzeitschriften oder Vorstellen in Fortbildungsveranstaltungen sind häufig ungenügend. Verschiedene Massnahmen stehen dazu im Vordergrund: Einbezug der Anwender in die Entwicklung der Guidelines, kontinuierliche Weiterentwicklung der Guidelines, eine Verankerung der Leitlinien in den klinischen Entscheidabläufen der jeweiligen Institution bzw. Audit- und Feedback bezüglich Anwendung und Wirkung der Guidelines. Im Sinne einer umfassenden Implementierung spielen Guidelines beim Disease Management eine zentrale Rolle.

Qualitätskriterien für Guidelines sind gemäss FMH:

  • Die Guideline muss sich auf eine klar identifizierte Thematik nach Häufigkeit, Komplexität, therapeutischer Unsicherheit, Kostenintensität etc. beziehen. Es ist klarzustellen, ob es sich um eine Guideline für ein Symptom, eine Krankheit, eine Struktur, einen Prozess, eine Therapie oder eine medizinisch-technische Anwendung handelt.
  • Guidelines sollen sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen, welche in anerkannten (peer reviewed) wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert werden. Angaben, mit welchen Suchsystemen (Medline, Cochrane Library etc.) und mit welchen Suchbegriffen die Literatur gefunden wurde, sind notwendig, ebenso wie die Beifügung eines vollständigen Literaturverzeichnisses.
  • Zu jeder Aussage einer Guideline ist der Grad der wissenschaftlichen Sicherung (Level of Evidence der Canadian Medical Association 1998) anzugeben: siehe untenstehende Definitionen. Dies ermöglicht eine Aussage, ob die Guideline hauptsächlich auf Evidenz oder Konsens zustandegekommen ist.

Weiterführende Literatur

Autor Buchtitel Verlag
Cook DJ, Greengold NL, Ellrodt AG, Weingarten SR. The relation between systematic reviews and practice guidelines. Ann Intern Med: 1997, 127(3): 210-216
Grimsahw JM. Russell IT. Effect of clinical guidelines on medical practice: a systematic review of rigorous evaluations. Lancet 1993; 342: 1317-1321
Pagliari C. Grimshaw J. Impact of group structure and process on multidisciplinary evidence-based guideline development: an observational study. J Eval Clin Pract: 2002, 8: 145 – 153
Thomas L. Cullum N. McColl E. Rousseau N. Soutter J. Steen N. (1998). Guidelines in professions allied to medicine. The Cochrane Library.