Gesundheitsbegriffe

Die Bedeutung des Begriffes „Gesundheit“ hat im Laufe der Zeit verschiedene Wandlungen erfahren, in der sich auch der gesellschaftliche Wandel und soziale Auseinandersetzungen widerspiegeln. Dabei sind insbesondere der biomedizinische Gesundheitsbegriff, die Gesundheitsdefinition der WHO sowie das Modell der Salutogenese zu nennen.

Der biomedizinische Gesundheitsbegriff
Der traditionelle, biomedizinische Gesundheitsbegriff basiert auf dem Modell der Pathogenese und definiert Gesundheit als die Abwesenheit von Krankheit. Gesundheit und Krankheit werden als komplementäre Zustände interpretiert, welche die organischen Funktionen eines Individuums betreffen. Krankheitssymptome (physiologischer oder psychischer Natur) werden auf anatomische oder physiologische Defekte – die eigentliche Krankheit - zurückgeführt, die wiederum aus einer begrenzte Anzahl von Ursachen resultieren. Psychische und soziale Faktoren bleiben bei diesem Gesundheitsverständnis fast vollständig ausgeklammert. Die wesentlichen theoretischen Erklärungsansätze für Gesundheit und Krankheit sind das Risikofaktorenmodell und das Konzept der Individuenzentrierung.

Ansätze zur Erhaltung der Gesundheit, die vor dem Hintergrund dieses Gesundheitsbegriffs entstanden sind, zeichnen sich insbesondere durch die Fokussierung auf (medizinische) Fachexperten aus. Hieraus resultiert eine monokausale Sichtweise, welche die grundlegenden sozio-ökonomischen Wandlungen und die daraus resultierenden, neuartigen Belastungsstrukturen nicht angemessen berücksichtigen kann.

Die Gesundheitsdefinition der WHO
Im Sinne der Weltgesundheitsorganisation ist Gesundheit ein Zustand vollkommenen physischen, mentalen und sozialen Wohlbefindens und nicht lediglich die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen. Insofern sind bei der Verbesserung der Gesundheit psychische (z.B. Gestaltung der Arbeitsinhalte, Abbau von Stress oder Schaffung von Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für den Einzelnen) und soziale Aspekte (z.B. das Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen) ebenso zu thematisieren wie physische (z.B. Fragen der Arbeitssicherheit, Handhabung und Verringerung des Einsatzes von Gefahrstoffen, Beseitigung von Unfallquellen). Die wesentliche theoretische Grundlage bildet das Konzept der Salutogenese.

Salutogenese
Die Salutogenese beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung von Gesundheit. Der Begriff wurde von A. Antonovsky geprägt, der untersucht hat, wie Menschen, u.a. Überlebende aus Konzentrationslagern im dritten Reich negative und zerstörerische Erfahrungen verarbeitet und ihr weiteres Leben bewältigt haben. In der Erforschung der vielfältigen persönlichen Widerstandsquellen gelangte er zu einem Konzept generalisierter Widerstandsressourcen, das er hinter den einzelnen Widerstandskräften (z.B. Immunsystem, Wissen, Ich-Stärke, Bewältigungskompetenzen, sozialer Unterstützung, Eingliederung ins soziale Netzwerke, soziokulturelle Widerstandsquellen etc.) vermutet.

Weiterführende Literatur

Autor Buchtitel Verlag
Antonovsky A Unravelling the mystery of health. San Francisco: Jossey-Bass, 1987
Trojan, A./Legewie, H. Nachhaltige Gesundheit und Entwicklung – Leitbilder, Politik und Praxis der Gestaltung gesundheitsorientierter Umwelt- und Lebensbedingungen Frankfurt 2001